Astrid Welburn

Als sie nach Cham kam, hatte sie noch ganz romantische Vorstellungen. Sie wünschte sich eine idyllische Landschaft, liebliche Häuschen, einen intakten Dorfkern mit Kirche, Schule, Bäcker, Metzger und einen lebendigen Markt mit bunten Ständen voller Chamer Spezialitäten. Die Einwohner immer fröhlich und zufrieden, sind bunt gekleidet, die Kinder spielen auf der saftig grünen Wiese und von weitem hört man die Glocken der Kühe oder der fernen Kirche. Die Rollen sind verteilt.
Die Reisende, man weiss nicht viel über sie, mag dunkle Kleidung, wenig Gepäck, aber trotzdem ist ihr Koffer immer voll. Sie reist gerne unvorbereitet an eine Destination, lässt ihre Augen herumwandern und freut sich auf Unerwartetes. Sie findet immer etwas, ein Souvenir, einen Stein oder ein Kleidungsstück, das sie mit nach Hause nimmt. Die Reisende schaut langsam, einmal nach links, dann nach rechts, manchmal auch zurück, sie weiss was sich hinter und was sich vor ihr befindet. Die Reisende ist unauffällig, anthrazit und interessiert an Männern in roten Schuhen. Sie hat dünne Lippen, ist neugierig, abenteuerlustig und ein bisschen schlampig.

Ein Roman zu Cham

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